Donnerstag, Juni 29, 2006

Song meines Lebens

Der Bateman hat vor einiger Zeit mal einen Wettbewerb ausgeschrieben. Es ging um den "Song meines Lebens". Also ein Lied mit dem man eine wichtige Begebenheit verbindet. Den Wettbewerb hab ich kläglich verloren, aber darum ging es mir auch gar nicht. Ich fand die Idee einfach schön und habe mal ein bischen in meinen Erinnerungen gekramt. Es gibt sicher sehr sehr viele Songs meines Lebens, aber das hier ist einer der wichtigsten, stärksten. Da ich ja weiss das ihr Link-folge-faul seid, habe ich jetzt hier nochmal die Geschichte:

Es war ende April. Wir waren jetzt schon ein oder zwei Monate hier. Nachdem wir die Riesenaltbauwohnung im Szeneviertel bezogen haben, war natürlich ersteinmal ein ausgedehnter Ikeaeinkauf nötig, denn besonders viele Möbel haben sich bei uns beiden nicht angesammelt über die Jahre. Noch wenige Wochen dann sollte es endlich so weit sein. Unser Kind sollte zur Welt kommen. War zumindest ausgerechnet. Wir rechneten jeden Augenblick damit. Wie ist das wohl, wenn plötzlich die Fruchtblase platzt?

Immer öfter ging sie vor mir ins Bett. Es war auch sicher sehr anstrengend für sie. Aber der Frühling war schön. Ich kaufte mir ein Lastenrad (die mit dem Eisenkorb vorne dran), wir legten Kissen rein und so chauffierte ich sie durch Hamburg. Zur Eisdiele, oder einfach nur spazierenfahren. Die Leute denen wir begegneten lachten, freuten sich mit uns, freuten sich weil sie für einen kurzen Augenblick das wahre Glück sahen. Weil sie erlebten wieviel Spass, wie romantisch und verliebt zwei sein können, die sich offenbar gefunden haben. Sie lachte viel, winkte jedem dem wir entgegen kamen. Und alle winkten sie zurück. Dem Mädchen mit der grossen Kugel unterm Kleid vor dem Lenker des Fahrrads.

Natürlich gingen wir nicht mehr aus. Wir waren jetzt allein in unserer grossen Wohnung. Abends kochte ich und dann sahen wir fern. Irgendwas. Was halt gerade so lief. Oder wir guckten eine Dvd. oder sie guckte mir zu wie ich "Ico" spielte. So verbrachten wir die Abende. Es war schön, aber etwas fehlte mir. Ich weiss nicht was es war, da war irgendeine sehnsucht. Raus zu gehen. Andere Menschen zu sehen. Zu schreien wenn der Dj dein Lieblingslied spielt. Einen Drink in der Hand zu halten. Zu schwitzen. Verraucht zu sein. Ich wusste, all das war für sie jetzt nicht möglich, klar. Und ich solidarisierte mich gerne mit ihr. Logisch. Aber ich dachte, sie hat diese Sehnsucht auch. Vielleicht nicht so ausgeprägt wie ich, aber zu einem kleinen Teil ist sie in ihr.

Sie war schon im Bett. Heute hätte man auch ausgehen können. Aber es war zu kurz davor. Kein Risiko eingehen. So sass ich alleine im Wohnzimmer. Sie schlief schon 2, 3 Stunden. Ich packte die Cd in den Player. Ja, das Lied wäre perfekt. Dann stellte ich ein paar wenige Kerzen auf. Ich ging ins Schlafzimmer. Sie war so schön wenn sie schlief. Ich weckte sie auf. Mitten in der Nacht. Was denn los sei, fragte sie verpennt. "Komm einfach mit. Ich zeig dir was."

Sie schlurfte mir verschlafen hinterher. Ich hielt ihre Hand. Als wir im Wohnzimmer waren, liess ich sie kurz stehen, beugte mich zum Cd-player, und startete "Girl from Ipanema" in der wunderschön zurückhaltenden Vince Guaraldi-Version. Dann ging ich zu ihr. Sie hatte ein riesen Fragezeichen über ihrem Kopf. Ich lächelte sie an. "Mitternacht Süsse. Würdest du mit mir in den Mai tanzen?" Sie lachte, stockte, fiel mir um den Hals. Eng umschlungen tanzten wir, vergassen alles um uns herum. Und weinten. Vor Glück. Unser ganz kleines eigenes Glück.

10 Comments:

Anonymous chilldogg said...

Schön! Gänsehautschön!

11:08 vorm.  
Anonymous Anonym said...

da bekomme ich tränen in die äuglein... wunderschön...

11:55 vorm.  
Anonymous Helga said...

Schöne Geschichte...

12:25 nachm.  
Anonymous Anonym said...

die geschichte hab ich auch damals schon beim bateman gelesen. sehr schön! :)
Grüße,
HERZtwo

12:58 nachm.  
Blogger Maunamea said...

Das ist echt süß, Nilz. So einen Mann wünscht sich doch jede Frau irgendwie. Ich hab so einen auch. Aber gegen einen zweiten von der Sorte hätte ich auch nix. Hehe.

1:21 nachm.  
Blogger fishcat said...

Wenn ich's nicht vor kurzem selbst festgestellt hätte, würde ich jetzt sagen: es gibt sie doch! Die Männer, die sich trauen, das zu tun, was eigentlich viel zu kitschig ist, als dass eine Frau zugeben würde, wie sehr sie es sich wünscht.

Oder so. :)

2:36 nachm.  
Blogger Karlmarks said...

uuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuhuhuhuhuhuhuh.
*schnief* wäääääääääääääääääääääh!

10:54 nachm.  
Blogger Natalie und Raphaela said...

Wunderschön!!!!!
Und: Ich liebe dieses Lied!!!
Liebe Grüße an dich,
Ela

4:44 nachm.  
Blogger fishcat said...

Ich weiß, reichlich spät, aber: jetzt ist mir auch wieder eingefallen, was ich mit dem Lied verknüpfe.
Minder schön, aber nicht minder spektakulär. ;)

2:21 nachm.  
Anonymous Anonym said...

chöön, chöööön.

9:17 vorm.  

Kommentar veröffentlichen

<< Home