Montag, Juni 26, 2006

Klärungsbedarf


Mein zukünftiger, kurzzeitiger Mitbewohner hat mich aufgefordert, endlich einmal Licht ins Dunkel zu bringen, here we go:

Ich war mit 6 in einem Schwimmkurs. In unserem kleinen Städtchen. Nun hatte ich schon immer Probleme damit, wenn man mir all zu ruppig etwas vermitteln will. Oder wenn jemand der Meinung ist, das ich etwas könne, von dem ich aber weiss, das ich es nicht kann. So trug ich also meine Schwimmflügel und ging ins Becken wo ich sofort mit diesen Schaumstoffbrettchen einmal ins Tiefe und zurück schwimmen sollte. Meine Bedenken äusserte ich mit einem "Ich hab Angst..", welches aber durch ein erwachsenes "Du kannst das, komm schon!" abgeschmettert wurde. Ich schwamm ein Stückchen ins Tiefe, machte aber sofort kehrt und kehrte zurück ins vermeintlich sichere Nichtschwimmerareal. Die Trainerin, welche offensichtlich nur als ABM diesen Untericht leitete und ansonsten eher russischen Bodenturnerinnen bei einem Körpergewicht von 23 Kg mitteilte das sie zu Fett seien, schrie durch die ganze Halle das ich mich nicht so anstellen solle, die anderen Kinder wurden aufmerksam und die Lacher waren äusserst unfreiwillig auf meiner Seite. Als eine Woche später ein erneuter Besuch des Kurses auf dem Plan stand, versteckte ich mich in meinem Bett und alles gute zureden meiner Mutter brachte nichts. Ich wollte da nie wieder hin.

In der Zwischenzeit waren wir immer im Urlaub an der Adria, aber allzu oft und gerne ging ich nicht ins Wasser, was nicht nur damit zu tun hatte, das ich lieber in Badehose im Sala Giochi stand und mein Geld in Automaten á la "Dragons Lair" warf (und nach 12 Sekunden schon ein fröhliches "Game Over" las), sondern auch daran das ich im jungen Alter schon wusste das das Meer ein Lebensraum ist, dessen Komplexität noch nicht einmal die moderne Wissenschaft erfasst hat, und das ich ja wohl kaum das Versuchskaninchen dafür sein konnte, oder kurz gesagt: ich hatte Schiss vor Quallen.

In der 7. Klasse hatte ich dann das erste Mal schulischen Schwimmunterricht, in der traumatisch aufgeladenen Halle meiner ersten Schwimmversuche (für die ADS´ler: s.o.) kam es zu einem weiteren Puzzleteil meines Scheiterns: Ich war die Grupper der Nichtschwimmer. Der Rest der Klasse die Gruppe der Schwimmer. Mein Lehrer hatte also enorm viel Zeit sich um mich zu kümmern und mein Schwimmunterricht sah in etwa so aus: Zu Beginn der Stunde warf Herr D. ein paar Ringe ins Nichtschwimmerbecken und sagte: "Die holst du mir jetzt bis zum Ende der Stunde da raus." Das war sehr sehr spannend.

Im Laufe der Zeit habe ich aber festgestellt, das Schwimmen für mich keinen Sinn mehr macht. Fahrradfahren, ok, wichtig. Aber schwimmen? Ich hab zumindest keinen einzigen Freund zu dem ich schwimmen MUSS. Aber vielleicht sortiere ich solche Leute beim kennenlernen auch nur unbewusst aus...

8 Comments:

Anonymous mcwinkel said...

Großartig, jetzt kommt da auch noch die "Angst vor Quallen" dazu - das wird ja immer sympathischer... :)

... bzgl. der Doubble-Bueller-Action: Vielleicht können wir das mit B verknüpfen?!

1:33 nachm.  
Blogger Dr Sno* said...

Ich hab nur Angst vor der Qualle an der Kasse von dem Penny Markt hier um die Ecke...

1:45 nachm.  
Blogger Markus Quint said...

Wenn man Freunde besuchen will, die ansonsten nur schwimmend erreichbar sind, bietet sich stets die Option, ein Tretboot auszuleihen.

2:47 nachm.  
Blogger La Fille said...

ich verstehe nicht wie leute lange im tiefen wasser auf einer stelle rumzappeln können und sich nebenbei unterhalten. also so auf der stelle..geht bei mir nicht.

ansonsten hat mir mein schwimmlehrer kurz vor dem seepferdchen einfach die schwimmflügel weggenommen und ich sollte diesen aufnäher mal eben erschwimmen. zitternd habe ich es geschafft aber keine puste mehr gehabt.

3:59 nachm.  
Anonymous Anonym said...

was ist eigtlich aus dem grossartigen lied für den filmzitate wettbewerb geworden????? und was ist mit dem blog-song?

unglaublich... seit monaten warten wir darauf und nix kommt....


:)

9:32 nachm.  
Blogger dL said...

"Ich hab zumindest keinen einzigen Freund zu dem ich schwimmen MUSS."

Das hätte mir mal einfallen sollen. Unschlagbares Argument. Kudos!

9:41 nachm.  
Blogger nilzenburger said...

@ winkel: die viecher sind aber auch scheisseeklehaft und evolutionsmässig für mich komplett sinnlos.

@ doc: und nicht vor dem telegrammtypen, den ich dir hier und da immer mal wieder gerne vorbeischicke?

@ markus: yeah! tretboot bin ich auch schon immer gerne gefahren. ich mochte immer diese ruderstange in der mitte.

@ silka: ach ja. seepferdchen. würde ich heute noch badehosen tragen, ich tätemir eins draufnähen (mal davon abgesehen, das ich dafür neben schwimmen auch noch nähen können müsste).

@ anonym: du hast natürlich recht, die sind nicht aus den augen verloren, eine weitere antwort erspare ich aber, da du anonym kommentierst und sich dann auch noch beschweren gülded ja wohl mal gar nicht.

@ dl: kudos? wasn dasn?

9:49 nachm.  
Anonymous Anonym said...

"Mutter-Kind-Schwimmen" mit vier:
Urspungsplan war wohl: Zeit allein mit der Ältesten verbringen, seit die kleine Schwester so viel Zeit beansprucht.Von fremden (!) Müttern in die Luft geworfen und untergetaucht werden war die Umsetzung.
In tiefstem Verständniss, eine SonstNurStillMitleserin, die zwar schwimmt, aber nur mit gesunder Skepsis(besonders im Meer)

12:03 vorm.  

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