Freitag, Juni 30, 2006

Ich muss mich mal gerade aufregen...

Bei René hab ich diesen Artikel gefunden. Oh, ich hör sie alle schon wieder heulen: Für kleine Filme ist kein Platz mehr, Hollywood verdrängt alles, nur der Mainstream regiert, kleine Kinos machen regelmässig pleite, Multiplex ist Satan.

Nur damit wir uns nicht falsch verstehen: Mir tut jedes Kino weh, das geschlossen wird. Ehrlich. Zuletzt hat es das Marmorhaus auf der Leopoldstrasse getroffen, ich war ganz überrascht, aber sie haben zu gemacht. Da kommt jetzt ein Klamottenladen rein. Wer die Leopoldstrasse in München kennt weiss: ENDLICH! Also wenn etwas auf der
Leopold fehlt, dann ein Klamottenladen. Die Menschen in Schwabing müssen ja quasi schon nackt rumlaufen, weil sie nicht wissen wo es was zum anziehen gibt!

Man muss dazu sagen, das das Marmorhaus alles andere als ein Arthaus-Kino war. Ne, ne. Da liefen die ganzen Mainstreamsachen. In der Auslage hängt noch die Vorankündigung für Fluch der Karibik 2. Also, nicht das einer der Klassiker-Liebhaber hier denkt, für ihn sei ein grosser Verlust entstanden. Was mich immer wieder wundert: Warum hat sich das 1-Dollar-Haus-Konzept, das in Köln am Ring so gut funktioniert nie durchgesetzt? Hätte man da doch auch machen können, ich wäre sicher ein regelmässiger Gast gewesen, vor allem weil in München die Filme immer Ruck-Zuck aus den Kinos wieder raus sind. Willst du hier etwas sehen, geh in der Eröffnungswoche, danach ist es eh wieder weg oder du musst nach Rosenheim fahren.

Worauf ich aber eigentlich hinaus will: Ich halte Filmkklassiker für überbewertet. Vor allem in ihrer Bedeutung. Klar, ich liebe es zu entdecken wer von wem inspiriert wurde, wer was wann zuerst gemacht hat, wie eine gewisse Erzählweise entstanden ist. Ich muss auch gerade meine grosse Studienarbeit über "New Hollywood" vorbereiten und ich finde es toral spannend. Und dennoch: Die Leute, die sich nicht jeden Tag nur mit Film beschäftigen, können dennoch glückliche, kritisch und mündige Filmzuschauer bleiben, auch wenn sie Citizen Kane noch nie gesehen haben, Godard für einen Weichkäse halten oder Fellini für etwas unanständiges. Denn genau so muss Film doch funktionieren: Universell. Emotional. Die Leute würden auch durch Zufall nicht in einem Arthaus-Film landen. Die WOLLEN grosse Unterhaltung. Und das zu recht. Abschalten. Urlaub. Wegdriften. Klar, das kann ich auch bei Truffaut, aber der liebte ja auch Hollywood.

Worauf ich hinaus will (na, da hat sich mal wieder jemand verquatscht): Vor Jahren wurde einmal ein Kanon erstellt mit Filmen, die man Gymnasiasten im Rahmen des Unterrichts zeigen MÜSSE, um ihnen Film zu erklären. Nun ist es bei mir auch schon ein paar Jährchen her, das ich in der Schule war, meine aber dennoch ruhigen Gewissens behaupten zu können, das ich es für falsch halte, jungen Menschen Filme wie "Stalker", "Citizen Kane" oder "Ausser Atem" zu zeigen. Also, ausgehend von der Prämisse, das man ihre Begeisterung für Film erhalten will. Nun kann man ja immer meckern, ohne bessere Ideen zu haben, aber wir sind ja nicht an der Blogbar.

Also: 20 Filme die man jungen Menschen zeigen sollte um ihnen Film zu erklären, ihre Begeisterung zu erhalten und sie zusätzlich zu überraschen was alles so möglich ist. Ich fang an.

1. "Unheimliche Begegnung mit der 3. Art", Steven Spielberg.
Begründung: Da spielt Truffaut mit, weil er fasziniert von Spielberg war und sehen wollte wie der so arbeitet. Da kann man dann gut zu den Franzosen überleiten (und dann den tatsächlich sehr lustigen "Schiessen sie auf den Pianisten" von Truffaut zeigen).

2. "Tote tragen keine Karos", Carl Reiner
Begründung: Ein Schnelldurchlauf durch den amerikanischen Film Noir und das sogar noch lustig!

Ihr seid dran...

15 Comments:

Blogger Dr Sno* said...

Ausser zu wissen wo im Kino ungefähr der Sitzplatz E/12 zu finden ist, habe ich ja eher wenig Ahnung vom Film. Aber meiner Meinung nach gehört Life of Brian irgendwie zum Pflichtprogramm jedes Spätpubertierenden.

Und im Marmorhaus hab ich mir nur ein einziges Mal einen Film angesehen. Und der war nix. Die Sicht war auch nix. Popcorn - nix und die Begleitung war auch nix.

Und wenn's jetzt weg ist macht's auch nix...

11:33 vorm.  
Anonymous rene said...

„Club der toten Dichter“ - Weil hier das Menschliche in 90 Minuten so wunderbar erzählt wird

„Das Ding aus einer anderen Welt“ - Weil die Monster so derbe cool sind

„Taxi Driver“ - Weil das wohl der intensivste Film ist, der jemals gedreht wurde

12:21 nachm.  
Anonymous Malcolm said...

Breakfast Club
Welcher Film hatte es danach geschafft innerhalb eines Gebäudes zu spielen und dabei nicht langweilig zu werden?

L.A. Crash
Sehen wir von dem (wohl verdienten) Oscar ab. Action zu zeigen, ohne Action zeigen, Schauspieler, die in vollkommen untypische Rollen schlüpfen und das Handling mit den verschiedenen Storys.

Unleashed - Danny The Dog
Ich habe zuerst den Soundtrack gehört und danach den Film gesehen. Und dieses Gefühl ist geblieben: Wie ein Film perfekt mit der Musik zusammenspielen kann, das zeigt dieser Film..

12:31 nachm.  
Blogger Patrick said...

Die Reifeprüfung...
Weil Film und Soundtrack perfekt harmonieren und es meiner Meinung nach der beste Film der 70er Jahre ist.

Die unglaubliche Reise in einem verrückten Flugzeug...
Weil Roger über Over und unter Unter gedient hat. Hast du eigentlich schon einen erwachsenen Mann nackend gesehen?

Fight Club...
Dass der hier noch nicht genannt wurde? Bestes Beispiel für überraschende Wendungen und überhaupt ein toller Film.

1:23 nachm.  
Anonymous Malcolm said...

Oh ja, Fight Club fehlt zwingend!

Dann nehmen wir aber Sieben noch dazu - Das Ende ist mal was anderes, als "Bubububu, du kommst in den Knast! Das ist die viel größere Strafe und überhaupt und sowieso!"

2:00 nachm.  
Anonymous mcwinkel said...

Aber Nilz, wie konntest Du "Ferris macht blau" vegessen. Begründung: Ferris Bueller.

2:30 nachm.  
Blogger Fräulein Wunder said...

"Das Leben ist schön" - von Roberto Benigni.

3:15 nachm.  
Blogger Markus Quint said...

"Der Seewolf"
... mit Raimund Harmsdorf - einfach weil es eine spannende und unterhaltsame Umsetzung verschiedener Stoffe von Jack London ist, in denen es um die Grundprinzipien des (Über)lebens geht. Und wie verschieden Menschen mit diesen Prinzipien umgehen.

10:22 nachm.  
Anonymous SirDregan said...

Memento fände ich auch wichtig. Wie man sich selbst belügen kann ohne es richtig zu merken - traumhaft.

11:24 vorm.  
Anonymous Claas said...

Napoleon Dynamite! Begründung: Die absurdeste Loser-Comedy und ein Lehrstück über schönes Titeldesign

1:11 nachm.  
Blogger Jens said...

Texas Chainsaw Massacre: als schönes Beispiel für das Mitternachtskino der 70er.

Lost Highway: weil man sich daran so schön im Deutschunterricht hirntot interpretieren kann.

3:57 nachm.  
Blogger pulsiv said...

snatch - auch wegen dem "hättet ihr nicht gedacht-effekt" und dem leider nie anerkannten kult-potential.

12:50 vorm.  
Blogger daniela said...

Oh, man muss sich beschränken?

Na dann:

Mystery Science Theatre 3000 in der Kalkkofe/Welke-Übersetzung - wie überlebt man einen strunzlangweiligen Film? Mit den Kommentaren toller Begleiter ;-)

Leoparden küsst man nicht:
Ja, auch in der sw-Zeit gabs tolle Filme.

Top Secret:
Val Kilmer in einem Film der Zucker-Brüder & Jim Abrahams (für Nicht-Cineasten: Die Jungs, die "Die Nackte Kanone" gemacht haben zusammen mit dem Kerl, der Charlie Sheen durch die HotShots! laufen ließ, damals noch auf der Filmhochschule). Abgesehen davon, dass man sich totlacht, wird ganz viel mit den Seegewohnheiten des Zuschauers gespielt.

Zurück in die Zukunft:
Bunt, fröhlich, Kino auf unterschiedlichen Zeitebenen. Kann man immer wieder empfehlen.

Gross Point Blank:
John Cusack geht zum 10-jährigen Highschool-Treffen.
"Was machst du beruflich?" - "Ich bin Profikiller." - "Ist man da krankenversichert?"

Life of brian, Snatch, Breakfast Club, Ferris macht blau und Fight club wurden ja schon genannt.

Aber macht "Tote tragen keine Karos" denn auch Spass, wenn man die Klassiker, aus denen "geklaut" wurde, nicht kennt?

12:55 nachm.  
Anonymous immekeppel said...

wie wärs mit "tarantula" - als desensibilisierung für arachnophobiker

dark star von john carpenter - wie die (groß)väter der schüler von heute als junggessellen lebten

den "little shop of horrors" in der originalversion mit jack nichollson (anschauungsunterricht zum thema fleischfressende pflanzen)

und den "maneater" dann noch gleich hinterher - da sieht man sehr genau, welche innereien der mensch so mit sich rumschleppt

für den schwimmunterricht empfiehlt sich dann noch "der schrecken von amazonas" - den haben sich meine kinder immer gern im badeanzug angeschaut

1:28 nachm.  
Anonymous michel said...

clockwork orange. weil kubrick. überhaupt kubricks werk. weil der beste aller zeiten.

8:06 nachm.  

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