Mittwoch, Mai 24, 2006

Zwei Himmelhunde auf dem Weg zur Hölle

Zwei Bekannten von mir war langweilig. Sie fuhren durch die Gegend, waren ein bischen breit und wussten nicht so recht was sie machen sollten. Da kam ihnen die brilliante Idee: Da drüben, auf der anderen Rheinseite, da war doch dieses Antirassistische Grenzcamp, oder so, da würde doch sicher irgendwas gehen. Die Jungs also die Pferde gesattelt und ab ging die Luzie. Vor Ort hat die Realitätsie dann leider eingeholt. Nix los. Überall wurde diskutiert, Musik oder ähnliches: Fehlanzeige.

"Bevor wir gar nix machen, diskutieren wir doch einfach mal mit!" So gelangten sie in ein Tipi-ähnliches Zelt. Drinnen sassen alle im Kreis und versuchten einen Plan auszuarbeiten. Es ging um folgendes: Im Grenzcamp sollte am nächsten Tag ein populärer Sinti-Geiger ein Konzert geben. Und man wollte den Sinti und Roma im nahegelegenen Asylantenheim eine Freude machen und sie zu dem Konzert bringen. So weit, so gut. Der Stand der Diskussion als unsere Helden das Zelt betraten war: Wie kriegen wir die hier hin.Es wurde lange hin und her überlegt. Fahrradkolonnen, Bus mieten, Wanderungsmässig. Die Jungs waren es langsam Leid, die Diskussion bewegte sich im Kreis.
"Wir haben ein grosses Auto, wir können die abholen!"
Stille.
Dann die erstaunte Antwort einer der Anwesenden: "Ein Auto? Wie pragmatisch!"
Der Deal stand. Sie würden die Leute in ihr Auto packen, zur Not auch zweimal fahren und zum Grencamp bringen. Und nach dem Konzert wieder zurück. Man diskutierte noch etwas weiter aber schlesslich wurde die Müdigkeit grösser und die Pragmatiker fuhren nach Hause.

Am nächsten Morgen:
"Hallo?"
"Ach, du bists."
"Ja. Sag mal, haben wir denen gestern Abend versprochen, wir würden die Leute da von A nach B fahren?"
"Ich glaube ja."
"Scheisse, dann müssen wir das Auto noch sauber machen..."

Eine ausgiebige Waschstrassensession (übrigens ab heute ein schönes Wort für Galgenmännchen - 7 S!)später, war man auf dem Weg ins Camp. Denn was ihnen niemand am Abend vorher sagte war: WO die Leute abzuholen seien. Man stolperte durchs Camp, suchte irgendwen der einem Auskunft geben konnte, aber es war wie ausgestorben. Stimmen im grossen Zelt. Da muss jemand sein. Sie gingen hinein. Podiumsdiskussion. Links und rechts von ihnen interessiert Zuhörende. Wohl so um die 150 Menschen. Vorne auf der Bühne die Diskutanten. Die Jungs standen im Gang und wussten nicht so recht wen sie fragen sollten. Verkatert und verknuspelt wie sie waren. Der Wortführer auf der Bühne bemerkte die beiden planlosen Gestalten.
"Kann man euch irgendwie helfen?"


"Ja, also wir wollten mal fragen, wo wir die Zigeuner abholen sollen?"


150 Menschen zuckten gleichzeitig zusammen. Dann drehten sie, ebenfalls gleichtzeitig, ihre Köpfe und guckten Kater 1 und Kater 2 mit verachtenden Blicken an. Einer stand auf: "Ähem...wir sagen lieber Sinti und Roma."
"Meinetwegen, aber wo sollen wir die abholen?"

Einer aus der Gruppe erklärte es ihnen dann. Sie fuhren zu dem Heim, aber vor Ort wusste niemand etwas von einer Abholung und so sind sie wieder nach Hause gefahren.
Mit einem sauberen Auto.

2 Comments:

Anonymous glam said...

der zieguenerjunge spielte am feuer gitarre.
"sind sie sinti?"
"No, i can´t make it to the party, im sikh."

1:28 nachm.  
Blogger Dr Sno* said...

Müsste es nicht politisch wirklich korrekt Sinti, Roma und verwandte Gruppen heissen? Ganz schön diskriminierend die Diskutanten da im Diskussionszelt.

Ich musste während dem Lesen schon lachen weil ich oben erstmal Diskotanten gelesen hatte.

4:40 nachm.  

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