Donnerstag, März 16, 2006

Wie ein kleiner dicker Junge einmal Content generierte

Ich bin also auf dem Weg quer durch die Stadt. Musste ein bischen was erledigen. Sachen ausdrucken und so. Und das kann man ja in der Hochschule für lau (abgesehen davon sind in unserem Haushalt sowieso schon alle Druckerpatronen leer). Also nix wie hin. So stehe ich also in der U - Bahn und lausche meinem iPod. Ich bin übrigens mittlerweile davon überzeugt, daß dieses Gerät Pulsfrequenzen oder Gehirnströme oder was weiss ich lesen kann. Es kann zumindest kein Zufall sein, das dieses Gerät im Shufflemode aus 3.500 Songs immer die aussucht, auch noch in einer grandiosen Reihenfolge, auf die ich gerade Bock habe. Da könnt ihr mir erzählen was ihr wollt. Einmal, ok. Zweimal meinetwegen auch. Aber ab dem 10. Mal weiss man....da muss mehr sein. Ich glaube das die Firma Apple zu diesem Zweck mehrere, als Handyfunkmasten getarnte, Superantennen aufgestellt hat, die im Nullkommanix die Gedanken eines ganzen Viertels scannen, auswerten und für sich benutzen können. Produkte dieser Company sind natürlich mit einer Art Peilsender ausgestattet, so das es möglich ist sofort zu orten, wo sich die sowieso schon produktaffine Kundschaft befindet. Dadurch...oh, ich schweife ab. Let´s get back on Track!

Ich steh da also direkt an der Tür (das ist in Münchener U - Bahnen so ziemlich der einzige und praktischste Platz, wenn man stehen will - in den Bahnen der neuen Generation sind deswegen schon schmale Polster direkt in Türnähe angebracht...so reagiert man hier auf den Kunden. Toll..) und gerade tönt Manfred Krug oder Entombed oder Kinderzimmer Productions an mein Ohr, weiss nicht mehr so genau. Gedankenverloren starre ich auf den Boden vor mir. Wir nähern uns der nächsten Station, Karl - Preis - Platz. Störgeräusche dringen an mein Ohr (es KANN also sicher nicht Entombed gelaufen sein). Aha. Ein kleiner, dicker, rothaariger und wie könnte es infolge dessen anders sein, sommerbesprosster Junge so um die 10 Jahre wartet auf die Station und hört laut einem mp3 auf seinem Handy zu. Ja, diese Jugend, denke ich und starre auf meinen alten Starrplatz zurück. Der Zug hält. Die Menschen steigen aus. Ich stehe wieder alleine an meinem Platz. Die Tür ist noch offen, es steigt niemand mehr ein. Da fällt mir auf, das der Junge vor der Tür steht. Will er jetzt rein oder was...? Ich sehe ihn kurz an. Ich glaube er überlegt ob er mitfährt oder hier bleibt. Anders kann ich mir dieses Verhalten nicht erklären. Unsere Blicke treffen sich für einen kurzen Moment. Stille am Bahnhof. Weit entfernt hört man Ennio Morricones Mundharmonika. Dann schliesst sich, wie in Zeitlupe die Tür. Den Körper des Kindes durchfährt plötzlich ein Ruck, als wenn ein Blitz in ihn eingeschlagen hätte. Er stürmt auf die Tür zu. Die Hände vor, als wolle er damit diese schweren Türen aufgestemmt kriegen. Sein Kopf fällt zurück, er wirft ihn mit vollem Schwung nach vorne. Die Tür ist nur noch eine Handbreit offen. Junge, will ich rufen, stürz dich nicht ins Unglück! Nimm die nächste Bahn, das ist es nicht wert! Doch er führte etwas ganz anderes im Schilde: Er warf seinen Kopf auf den letzten Spalt der Tür und...


...rotzte mich an.

Gezielt, nicht spontan. Von langer Hand geplant. Schätzungsweise als Mutprobe oder so. Ich war Baff. Der Zug fuhr ab, der Junge war weg und ich stand in der Bahn mit kleinen weissen Flecken auf meiner ganzen Jacke. Mitleidig sahen mich die anderen, den Gau beobachtenden Fahrgäste an. Es ging alles so schnell, ich musste es erst realisieren. Ich wischte mir die Spucke vom Parka und war einen kurzen Moment ehrlich Sauer und entsetzt über diese jungen Menschen heutzutage. Dann musste ich lächeln. Und dann lachen, denn ich wusste: Ja mein Junge, das war mutig. Das war auch ein 1a Lacher für dich und deine Freunde. Aber wenn ICH nach Hause komme, dann verprügelt mich niemand. Und für die Gewissheit, lass ich mich doch gerne mal anspucken.

29 Comments:

Anonymous Malcolm said...

Und wir dachten damals, dass wir Eier haben, wenn wir aus der Rückscheibe des Busfensters dem Autofahrer Grimassen schneiden!

Die Jugend...

9:12 vorm.  
Anonymous rene said...

Yeah Nilz! Super!

Ich hab mal bei McDonalds einen Hamburger der hüpft bestellt, den dann volle Kanone auf den Boden aufgematscht und laut gerufen: „Aber der hüpft ja gar nicht!“

Und dann nix wie weg!

10:41 vorm.  
Anonymous Cyberdroid said...

Drecksplagen. Darum fahre ich nur Auto. Da kann ich in so einem Fall den Rückwärtsgang einlegen und dem Kurzen Manieren beibringen.

11:25 vorm.  
Anonymous der.Grob said...

man trifft sich immer zweimal im leben. und dann werden sie es sein, der rotzt. aber so richtig.

11:37 vorm.  
Anonymous johnny said...

Hat jemand ein Taschentuch? Erst für Nilz, dann für meine Lachtränen?

Schöne Dramaturgie! ;)

11:51 vorm.  
Blogger Philipp said...

Danke für die geniale Story. You made my day :)

12:02 nachm.  
Blogger Natalie und Raphaela said...

Ich hab mich gerade dermasen belacht, dass mir die Tränchen gekommen sind!!!! Das ist der beste Post, den ich heute gelesen habe!!!!!

12:23 nachm.  
Anonymous Martin said...

Großartig - An die Zeit der Mutproben kann ich mich auch noch gut erinnern, und wie du richtig sagst... manchmal sollte man sich vielleicht daran erinnern. Wenn sich da nicht der kleine Teufel im Ohr melden würde, der einem zuflüstert: "Das war keine Mutprobe, sondern mutwillige Schikane, um dem "Alter" zu zeigen, dass man keinen Respekt hat. Und dann ärger´ ich mich doch.

12:35 nachm.  
Anonymous Felix said...

1a :)

12:50 nachm.  
Blogger kasimir said...

Grandios. Und ein bisschen ekelig.

1:12 nachm.  
Anonymous flo said...

warum machst Du freiwillig Werbung für apple ..?
Naja, is Deine Sache. ich trink erst mal n Schluck Fanta, hmmm, wie das prickelt! Wie machen die das nur? ;)

1:32 nachm.  
Anonymous mcwinkel said...

Ich bin mal mit Wasserpistole in eine Sparkasse gelaufen und habe "Überfall" geschrieen: U-Haft.




























Nein, nicht wirklich. War ja noch nicht im Stimmbruch, deshalb gab´s nur Mecker. Aber den ordentlich. Auch von Mama, die mich abholen kam.

4:34 nachm.  
Anonymous Nomak said...

Totale Begeisterung meinerseits sowohl für diese Geschichte als auch für MC... Die Vorstellung von MC als kleinem Bengel mit Wasserpistole in der Bank ist echt superklasse.

Aber Du strahlst irgendwie scheinbar komische Vibrations aus Nilz. Der Typ, der Dir die Ukulele klaut, ein dicker spuckender Junge... Oder liegt das an der Stadt?

4:45 nachm.  
Blogger Dr Sno* said...

Wie? Du wirst nicht verprügelt??

Und wo bleibt die Passage in der du dem Jungen 5 Euro in die Hand drückst dafür dass er dir so super Blog-Content geliefert hat?

6:32 nachm.  
Anonymous Nomak said...

Ich nochmal. Ich stand gerade unter der Dusche und rasierte meinen Kopf, als sich auf einmal alle Puzzleteile zusammen fügten:
Ich lese aktuell Puls von S. King. Dort werden in einem Moment alle verrückt, die mit dem Handy telefonieren und laufen Amok.
Und jetzt kombiniere:
iPod, Peilsender, Gehirnströme, Handy...!?
Weil Du gerade iPod gehört hast, wobei die Gehirnscanner der Peilsender von Apple in öffentlichen Verkehrsmitteln nachweislich zu Paradoxons führen können, hat es mit Sicherheit eine mentale Rückkopplung zum Handy von Dicki gegeben und schwupp!

6:45 nachm.  
Blogger r0ssi said...

ich sag ja, nilz, es gibt keinen respekt mehr vor den alten...

8:02 nachm.  
Blogger La Fille said...

und ich kriege alleine vom lesen einen pickel. wäh *lol*

12:26 vorm.  
Blogger Amelie said...

Nilz-Nils?

10:02 vorm.  
Anonymous medienjunkie said...

hehe, das ist ja der hammer. ich konnte mir beim lesen richtig in zeitlupe vorstellen wie der kleine hässliche junge dich anspuckt :D

genial

11:16 vorm.  
Blogger Eva said...

echt fein :)

11:35 vorm.  
Anonymous Freerk said...

war klar, dass sich deine tv-jugendsünden irgendwann rächen.
übrigens: hat er vielleicht so ausgesehen, wie der bad santa-junge? let me fix you some sandwiches? das ist also aus ihm geworden! (hat ja auch bei billy bob thornton gelernt)

12:32 nachm.  
Anonymous dr. multi said...

Ne ne ... nix da mit TV-sünden. Die kleinen Hosenscheisser sind doch zu jung um den Nilz noch aus der Viva-anfangszeit zu kennen!

Nilz... wenn ich weiterhin das Privee mit meinen Freunden füllen soll, dann singen wir doch bitte bald das Lied, das du FÜR MICH komponieren solltest! Also schreib es am besten in Duet-form!

1:25 nachm.  
Blogger Dr Sno* said...

oh weh... die Zitat-Contest-Preise hatte ich glatt schon vergessen...

1:51 nachm.  
Blogger thegunrunner said...

Bester Beitrag ever! Hab ich gelacht – aber ist natürlich echt gemein. Ich wär ja soooo sauer!

2:39 nachm.  
Blogger .campino2k said...

Das mit dem Hamburger fand ich aber besser...

3:09 nachm.  
Anonymous peter brenner said...

So ein Sau! Und das Ganze dann auch noch im eigentlich sicheren Bayern. Oh mein Gott, wo soll das noch hinführen?

4:00 nachm.  
Anonymous dr. multi said...

dr sno - keine Angst. Ich habe es noch nciht vergessen... Habe ja immerhin meine ganze Familie zum voten gezwungen!

Ich erinnere dich dran, wenn wir uns mal persönlich begegnen!

4:42 nachm.  
Anonymous Jeepy said...

Hach, herrlich. Einfach nur herrlich. Nix für ungut, aber: Schadenfreude, schönste Freude.

7:51 nachm.  
Blogger Maurizio Pensato said...

Hast Dich mal wieder selbst übertroffen Nilz! Den Spannungs-Bogen gespannt... und gespannt... und in einem Lacher entladen.

Oh mann, was für ein "Arschlochkind". Eine gesteigerte Beleidigungsform als Anspucken gibt es wohl kaum.

Ich glaube ich hätte solange die ganze Stadt abgesucht, bis ich die Sau gefunden, geteert und gefedert und in die nächste Mülltonne gesteckt hätte!

Übrigens, jetzt weiß ich was Polt mit: "Da steckt bestimmt diese Dicke dahinter (...)" meint.

Ich mache jetzt immer einen großen Bogen um dicke Kinder :D

9:32 vorm.  

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