Donnerstag, März 23, 2006

Arme Sau

Mein Unrechtsbewusstsein wurde schon in jungen Jahren geprägt. Nicht durch das "Free Nelson Mandela" Konzert, das ich mit meinen Geschwistern an einem Samstagnachmittag live im Fernsehen verfolgte. Auch nicht durch Die drei Fragezeichen oder sonstiger wertevermittelnder Jugendliteratur. Es wurde geprägt durch Comics. Durch Disneycomics allgemein und durch Donald Duck Geschichten im speziellen. Ich habe nie, und werde es vermutlich auch nicht, verstanden, wie man das lustig finden kann.

Donald ist ne arme Sau. Alleinerziehend mit Drillingen (!!!) von denen niemand weiss wo sie herkommen, vermutlich nicht einmal Donald selbst. Einen Onkel der ihn komplett tyrannisiert und der so etwas wie "Blut ist dicker als Wasser" wohl als hochgradige Beleidigung versteht. Einen Schuldenberg, den keine normale Ente jemals wieder abtragen können wird. Keine Hosen (ein Zustand übrigens, der Goleo ziemlich glücklich zu machen scheint). Eine Freundin, die sich nie sicher ist, ob sie mit ihm zusammen ist, und das nun schon seit Jahren. Und EIN Typ, der ihm immerwieder vorführt, wie sinnllos all sein streben nach Glück ist, und der wirklich ALLES in den Arsch geschoben bekommt. Ja, ich rede von Gustav Gans. Arroganter als jeder Soapdarsteller der westlichen Hemisphäre, der sich schon auf dem Weg auf die Titelblätter der Nation sieht. Er provoziert sein Glück und es gehorcht ihm wie eine reudige Hündin. Selten erlebte man Glück so ehrlos. Das wäre alles noch ok, wenn Gustav auch gelernt hätte sein Glück zu teilen. Wenn er Donald immer mal wieder auf ne Cola eingeladen hätte. Wenn die beiden dicke Kumpels wären und gemeinsam Dagobert Feuer untern Hintern gemacht hätten. Haben sie aber nicht. Stattdessen prügelt Gustav noch auf den einzigen ein, der so tief am Boden liegt, wie es tiefer nicht geht. Er führt Donald vor, machtihn lächerlich. Natürlich besonders gerne in der Anwesenheit von Donalds Freundin, auf die er nämlich auch scharf ist. Und was macht diese illoyale Dumpfkuh? Lässt sich auch noch auf den Schleimi ein! Immer wieder!
Desweiteren macht er Donald auch noch vor seinen Neffen zum Affen. Vor denen Donald alles versucht um eine Art Autorität darzustellen! Und er unterwandert das immer wieder.
Kurz und gut: Ein kompletter Vollsuperarschwichserpisskopp.
Hab ich zumindest immer als Kind gedacht. Ich konnte das auch irgendwann nicht mehr lesen, habe Geschichten mit Gustav sofort überblättert und musste mich somit meistens mit den weitaus weniger aufregenden, weil spiessigen Micky Maus Geschichten abfinden (ausser denen wo dieses komische Atomwesen mit den Riesenfüssen mit Micky "upteamt"). Ein ganz klein wenig versöhnt wurde ich durch die frühen Phantomiasgeschichten. Ah, was für eine Wohltat, Donald triumphiert über Gustav. Hab ich bestimmt 1000mal gelesen. Aber die paar Bände reichen nicht. Justice for Donald.
Ich finde das ja in Filmen zum Beispiel auch lustig, wenn der Held auch der Depp ist, siehe Clouseau, Buster Keaton, De Funes, Verrückt nach Mary, Anchorman etc. etc.
Aber was diese Figuren eint und extrem von Donald unterscheidet: Am Ende schaffen sie es doch irgendwie. Und müssen nicht in einem Wutanfall ihren Widersachern in den Horizont hinterherlaufen.

Der gute Effekt aber: Wie erwähnt, das ausgeprägte Unrechtsbewusstsein. Doch während andere das zu Attac tragen, behalte ich das lieber für mich und meine Umwelt. Wir wollen ja nicht übertreiben.

9 Comments:

Blogger .campino2k said...

Sehr interessante Sezierung der Duckschen Verhältnisse. Find ich aber prima und obendrein richtig.

1:24 nachm.  
Anonymous Carsten said...

Ich bin dir jetzt für den Rest meines Lebens zutiefst dankbar. Ich habe Donaldismus schon immer für eine völlig unterschätzte Wissenschaft gehalten und wollte ihr zur Geltung verhelfen. Das hast du jetzt getan - hoffentlich.

Darüber hinaus sprichst du mir aus dem Herzen, aus dem tiefsten meiner Seele. Und sein wir mal ehrlich: Ein bißchen Donald steckt in jedem von uns, oder?


Nur dass die arme Ente die volle Dröhnung abbekommen hat...

Naja, einen Toast auf Carl Barks!

1:49 nachm.  
Blogger Dr Sno* said...

Na ja... Gesamt betrachtet hat Donald doch alles. Zumindest alles was wichtig ist. Er ist gesund. Hat schlaue und liebe Kinder. Einen Onkel der ihn zu Expeditionen in die entferntesten Länder mitnimmt und eine heisse Flamme, die nicht bei ihm wohnt und ihn so nicht in irgendeinen schlimmen Alltag zwengt.

Dass der Superspiesser Gustav in Bezug auf Materielles den längeren zieht. Was soll's. Dafür ist der wie jeder anständige Soapdarsteller am Ende doch auch nur ne arme Wurst. Und das Donald Schulden hat. So What? Ohne diese Triebfeder würd er womöglich nur noch im Unterhemd vor der Glotze rumhängen...

Donald regt sich über so nen oberflächlichen Scheiss halt riesig auf und bekommt vom Schicksal dafür immer wieder eine auf den Deckel. Real Life halt. Lektion inbegriffen.

Würd sich da was ändern wär der gefiederte Choleriker doch nicht so liebenswert und Donald wär dann doch nur ne weitere gesichtslose Ente.

Off topic - Satz des Tages:
»Er provoziert sein Glück und es gehorcht ihm wie eine reudige Hündin«

1:59 nachm.  
Anonymous Blase16 said...

Ich hab Donald Duck auch immer geliebt und natürlich am meisten die Phantomias Geschichten. Er ist halt eine arme Sau (oder Ente), aber ich ich glaube, wenn ich zwischen seinen, Gustavs und Micky's Leben wählen müsste, würde ich lieber Donald Duck sein.

2:52 nachm.  
Anonymous Anonym said...

Da komme ich gerade von Glamourdick, lese das und bin ein wenig gerührt. Muss grinsen, weil ich immer dachte, ich sei die einzige Bekloppte, die so denkt. Jede Zeile spricht mir aus der Seele. Ich habe auch immer mit Donald gelitten, mehrere hundert Bände der lustigen Taschenbücher lang, und Gustav gehasst. Ich verstand auch nie, wie man das lustig finden kann, wenn einer immer wieder auf die Fresse fällt. Bis heute. Danke. Immer noch grinsend. Kirschrot.twoday.net

3:44 nachm.  
Anonymous glamourduck said...

phantomias rules!

4:22 nachm.  
Blogger boese.net said...

Also das mit Tick, Trick und Track kann ich aufklären. Es geschah 1938: In dem Zeichentrickfilm "Donald’s Nephews" schickt Dumbella, Donalds Schwester, ihrem Bruder seine drei Neffen Huey, Dewey und Louie, auf deutsch: Tick, Trick und Track. Donald soll für eine Weile auf die Jungen aufpassen, aber Dumbella holt ihre Kinder nie wieder ab.

Böse Entenwelt!

Ich persönlich stand ja mehr auf Gundel Gaukeley und die Panzerknacker - was bestimmt auch meinen Hang zu Hexen und Kleinkriminellen erklärt.

Panzerknacker Quote: »Wozu sind wir Mitglieder im Interessenverband der Ein- und Ausbrecher?.«
»Ja, und dem Ringverein der Fälscher, Forstfrevler und Fassadenkletterer gehören wir auch an.(aus »Der Fluch des Abbadon«)

1:15 nachm.  
Anonymous Malcolm said...

Mir stehen die Tränen in den Augen, vor Rührung..!

Trotzdem steinken Walt Disney Comics...

8:53 nachm.  
Anonymous Malcolm said...

Stinken... Ich meine Stinken!

8:53 nachm.  

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