Donnerstag, Februar 09, 2006

Sie wissen schon, sie wissen schon, Knick Knack.


Natürlich lasse ich mich gerne von A-Bloggern beschimpfen. Danke MC.

In den letzten Tagen sind eine Menge crazy Sachen passiert, die ich jetzt nicht alle hier einzeln auflisten möchte/kann/will/muss. Zu gegebener Zeit werdet ihr es aber natürlich als Erstes erfahren. Ich war gerade bei einem sogenannten Screening im Kino, also es wird vor Testpublikum ein Film gezeigt, und danach muss man einen Fragebogen ausfüllen damit die Marketingleute nachher wissen, wie man den Film denn dann am besten promotet.

Der war jetzt gar nicht mal so gut. So eine "schwarze" Komödie und dabei ist mir wieder etwas eingefallen: Es gibt so Leute, die sagen einem (auch gerne mal ungefragt) das sie ja "einen total schwarzen Humor haben". Ich weiss gar nicht woher das kommt, aber das sind ja erfahrungsgemäss Menschen, denen man noch am ehesten attestieren würde das sie einen "durchsichtigen" Humor haben, also de facto gar keinen. Ich bin mir auch gar nicht so sicher was die meinen, wenn sie ihre eigenen Lachpräferenzen so beschreiben. Wahrscheinlich am ehesten so Slapstick, wo auch mal was tot gehen kann. Also so etwas wie der überfahrene Hund bei "Ein Fisch namens Wanda". Überhaupt gelten in solchen Kreisen Monty Python wohl als Gralhüter des schwarzhumorigen Entertainments. Das ist natürlich eine Phil-Collins-Meinung. Die Pythons sind, wenn man sie überhaupt kategorisiern muss, wohl die Könige des Absurden. Aber wem sag ich das, daß wisst ihr ja.

Ich mag mich an dieser Stelle gerne in ein Fettnäpfchen setzen, aber vielleicht hab ich ja Glück: Kennt ihr Daniil Charms? Das war ein russischer Schriftsteller in den 30er/40er Jahren und der hat die mit Abstand tollsten Kurzgeschichten geschrieben, die man ich mir vorstellen kann. Die sind zwar auch immer ziemlich absurd, aber irgendwie dann auch wieder nicht. Sie sind in ihrem jeweiligen eigenen Kosmos immer recht plausibel, auch wenn einem das nicht unbedingt einleuchten mag. Charms selbst hat immer am Existenzminimum gelebt und nur für seine Schublade geschrieben, populär wurde er erst posthum. Ja ja, diese armen Künstler. Schreckliches Klischeebild, in diesem Falle aber herzergreifend.

Dabei noch ein Anekdötchen, wie schrecklich es ist von den falschen Menschen verehrt zu werden: Ich habe mal vor ca. 2 Jahren ein Hörspiel über das Leben Charms geschrieben. Jetzt kann man mit Fug und Recht behaupten, das die Charmsexperten in Deutschland eher spärlich gesäät sind. Also ich weiss von 2. Ich wollte natürlich ein schönes Bildzeichnen mit diesem Hörspiel, das schon von Fakten untermauert war, deswegen aber nicht weniger unterhaltsam sein sollte. Also schrieb ich eine der 2 Experten an, ob sie mir unter Umständen hier und da mit ein paar Fakten aushelfen könne, weil ich wusste das sie geradean einer Charmsbiografie arbeitete. Ich schrieb ihr von dem Hörspiel und meinem Plan und was ich so bräuchte und ob sie vielleicht auch noch ein paar schöne Anekdoten kennt, die es wert wären erzählt zu werden. Und was kam als Antwort? "Kümmern sie sich bitte selbst um Faktenbeschaffung, ich habe damit genug zu tun. Und was Anekdoten betrifft: Davon gibt es wirklich schon genug, bitte beteiligen sie sich nicht auch noch an der Mythenbildung Charms." Und hatte ich vorher noch gedacht, ich will wissen wie der geredet hat, ich muss das in einer Sprache schreiben, die man damals sprach, so war jetzt der Knoten geplatzt: Ich schrieb einfach drauf los. So ein "Jetzt erst recht"-Gefühl. Du willst nicht das ich Anekdoten schreibe? Ich habe so ziemlich JEDE eingebaut die ich fand (also, wenn sie passte).

Und was war der Lohn: Das Hörspiel wurde nicht produziert, aber nicht weil irgendwer es nicht für schlecht hielt, sondern wegen Zeitproblemen, das war aber auch egaldenn das schönste war, das eine Frau, deren Meinung mir sehr wichtig war und immernoch ist, das Hörspiel gelesen hat, mich direkt danach anrief und sagte:
"Das war so schön, ich hatte nur beim lesen am Ende Tränen in den Augen."
Und das ist mehr wert als alles andere.

(Die Tatsache das ich so genervt war von dieser Expertentussi und mich ein wenig an ihr gerächt habe, macht das ganze aber nich nicht zum Teil der U+J Bewegung, oder?)

4 Comments:

Anonymous Nino Nexo said...

Daniil Charms??? Hui, den kannte ich
ja gar nicht. Danke für den Tipp.
Hört sich gut an.

Nexo

12:38 vorm.  
Anonymous SirDregan said...

stimmt, MP ist meines Erachtens kein schwarzer Humor. "Very bad things" ist das Beste Beispiel für guten, schwarzen Humor *g*

12:41 nachm.  
Anonymous Chris said...

Charms ist Spitze! Ich liebe Sachen wie diese: "Eines Tages ging ein Mann zur Arbeit, und unterwegs begegnete er einem anderen mann, der ein polnisches Weißbrot gekauft hatte und auf dem Heimweg war. Das ist eigentlich alles."

1:08 vorm.  
Anonymous mcwinkel said...

A-Blogger? Nix da. M-Blogger. MC-Blogger, um es mal ganz exakt zu definieren.

4:38 nachm.  

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