Freitag, Januar 27, 2006

Glück im Unglück


Nachdem mir ja wieder eingefallen ist, was ich vergessen habe zu bloggen, hier jetzt das Thema: Es gibt ja wenig schönere Sachen als verliebt zu sein (wobei "wenig" noch ein Euphemismus ist). Aber es gibt Momente im Leben , da tut es einem am besten unglücklich verliebt zu sein. Am Besten also ein Mädchen, das man ganz toll findet, die einen auch toll findet und mit der man enorm viel Zeit verbringt. Aber es geht halt nix. Und abends liegt man allein im Bett, denkt an sie und träumt davon wie glücklich man wäre, wenn es denn endlich passieren würde. Man weiss genau das es auch für sie das beste wäre und wahrscheinlich weiss sie das auch. Man schreibt sich vielleicht sogar noch SMSe. Dann fasst man sich eines Tages ein Herz und stellt sie zur Rede. Es müsse doch etwas geschehen, sie seien doch füreinander bestimmt. Ja, irgendwie sehe sie das auch so, aber sie hat ja noch einen Freund und sie kommt nicht von ihm los.

Das sitzt.

Und trotzdem kann man die Finger nicht von ihr lassen, man kann nicht mehr ohne sie sein. Man hat sich so an sie gewöhnt. Ihr Freund kümmert sich eh nicht um sie, und wenn er es dann doch einmal tut, sitzt man allein zu Haus und denkt daran wie dieser Vollidiot gerade mit ihr rum macht und gar nicht würdigen kann die beste Frau der Welt in den Händen zu halten. Aber vielleicht ist da ganz hinten, ganz klein, fast nicht zu hören - ähnlich wie diese Hundepfeifen - diese Stimme im Ohr. Und vielleicht flüstert diese Stimme in einem zu: "Du willst es doch gar nicht. Du willst es doch gar nicht. Du brauchst das Unglück, das Hin und Her gerissen sein. Du willst es doch gar nicht...." Und vielleicht, ganz vielleicht, also nur sehr sehr eventuell und möglicherweise, weisst du: Die Stimme hat recht. Also einerseits. Andererseits: Mit mir wärs schon am schönsten. Aber ich könnte sie wohl nicht halten. Vielleicht ist es das, was ich so an ihr liebe.

Und dann ziehst du in eine andere Stadt, und du willst nicht loslassen und du telefonierst nochmal mit ihr, und du weinst. Und sie weint auch. Und dann fällt dir auf: Du hast wohl kaum eine aufrichtigere und ehrlichere Beziehung in deinem Leben gehabt, als den Sommer mit ihr.

Scheisse, werd ich jetzt erwachsen?

21 Comments:

Blogger Nomak said...

Genau diesen Text hätte ich auch schreiben können. Habe ein paar Jahre und einige schmerzliche Lektionen gebraucht, bis ich kapiert habe, dass man am besten die Finger von vergebenen Frauen lässt.
Naja, als Ausgleich bin dafür nun mit der besten Frau der Welt zusammen.
Dafür hat sich der ganze Sch..§$%& wirklich mehr als gelohnt.

8:58 nachm.  
Blogger nilzenburger said...

und ich denke man sollte eben NICHT die finger von ihnen lassen. man soll unglückliches verliebtsein auskosten. das geht zwar am ehesten in der nachbetrachtung (diese geschichte ist in den anteilen, in denen sie biografisch ist auch schon ein paar jahre her), macht einen aber dann umso glückklicher,

9:02 nachm.  
Blogger fishcat said...

Respekt, wenn du damit auf glückliche Art und Weise umgehen kannst. Ich kann an solche Beziehungen nur ziemlich undankbar zurückdenken und daran auch nicht wirklich etwas aufrichtiges finden.
Mag aber vielleicht daran liegen, dass ich noch nicht gelernt habe, wie man friedlich verliert bzw. nicht bekommt, wonach man sich zu sehnen glaubt.

Und: ja, ich befürchte, du wirst erwachsen. Bis zur 30 ist es nicht mehr weit. ;)

9:17 nachm.  
Blogger nilzenburger said...

es war auch nicht bei jeder unglücklichen beziehung so. bei vielen konnte ich einfach nur noch kotzen über die ganze ungerechtigkeit und war einfach nur genervt. und enttäuschungen oder so was treffen mich auch immernoch. aber einmal (und vieleicht manch andere male noch ein bischen) war es tatsächlich aufrichtig. und wenn einem das passiert: da nimmt man ne menge mit.

9:20 nachm.  
Blogger fishcat said...

Nee, ist klar, dass du den Text eher auf eine spezielle Beziehung gemünzt hattest.
Ich glaube, diese Erfahrung der tatsächlichen Aufrichtigkeit fehlt mir noch. Aber ich kann immerhin sagen, dass das letzte Mal doch im Endeffekt ein größtmögliches Bemühen von beiden Seiten erkennbar war, diese Aufrichtigkeit mitzubringen.
Ich behaupte also: es geht langsam aufwärts. ;)

Ja, ich denke, dass so eine Erfahrung einem auf jeden Fall auch die Hoffnung wieder gibt, dass es Menschen gibt, mit denen es funktionieren kann. Wenn denn dann auch das Timing stimmt (sprich z.B.: der andere nicht vergeben ist).

9:30 nachm.  
Anonymous Anonym said...

unglücklich glücklich... das kenn ich..aber wenns zum festen bestandteil eines lebens wird, ist es eher von nachteil. steht sich selbst im weg, weinst und lachst und weinst und weißt nicht wie es dir geht. als überschrift und geschichte sicher eine
melancholische erfahrung,aber in der der realtime unseres filmlebens oft unerträglich.

9:44 nachm.  
Anonymous moryson said...

Das Fühlen an sich ist das was zählt. Ob im Negativen oder im Positiven. Immer markiert es die wichtigen und erinnernswerten Momente im Leben.

Also fühlen, leben und wachsen. Erwachsen wird man nicht.

10:53 nachm.  
Anonymous Chris said...

Schön, solche Gefühle empfinden zu können und auch schön, darüber sprechen zu können, bzw. zu schreiben. Wie viele andere Gefühle, gehört auch dieses quälend sehnsuchtsvolle Fühlen zum Leben dazu, als wären wir inmitten eines schwülen Sommertages, der außer ein, zwei Tropfen, kein kühlendes Nass für uns bereithält, außer einer schnell verwehenden frischen Brise uns weiterhin ungeduldig warten lässt auf das erlösende Gewitter, und glücklich der, der noch nicht zu dumpf und abgestumpft ist, solches wahrzunehmen und die Qual nicht als Qual, sondern als bitter-süße Vorfreude auf die ersehnte Erlösung betrachtet.

11:19 nachm.  
Blogger Maurizio Pensato said...

Die schönsten Geschichten schreibt einfach das Leben selbst. Liebeskummer, Liebesglück, Lebensfreuden, Kummer und Schmerz, lachen und weinen. Alles ist auszukosten, nichts zu bereuen!
In den Worten des wohl größten deutschen Dichters (1749-1832): "Der Zweck des Lebens ist das Leben selbst."

Nilz, wann ist man denn wirklich erwachsen? Etwa, wenn man nichts mehr empfinden kann? Wenn dem so ist, dann möchte ich wohl niemals erwachsen werden. Ich werde weiterhin an der Entwicklung vom jugendlichen Helden zu einem komischen Alten arbeiten.

2:38 vorm.  
Anonymous Chris said...

"Komm doch etwas näher
und schau mich einmal an
Du wirst es ganz schnell merken
auch ich bin nur ein Mann

Männer sind Verbrecher
da änderst Du nichts dran
willst Du mich haben
tu ich was ich kann

Refr.
Ich bin ein positiv Verrückter
ich werd nie ganz erwachsen sein
Ich bin ein positiv Verrückter
ich bin ein Mann und doch kein Schwein

Das Leben ist so kurz
die Welt ist viel zu schön
man kann alles versuchen
und am Ende nichts verstehn

Komm doch etwas näher
nur ein kleines Stück
und wenn ich Dir zu eng werd
dann gehst Du halt zurück..."

(Zwexx)

8:55 vorm.  
Anonymous SirDregan said...

Scheisse. Recht haste.
Ich bin gerade genau in der Situation und in wenigen Stunden zieh ich endgültig um. Blöd wenn man da so vor den Kopf gestossen wird *g*
Aber wie gesagt, du hast ja Recht, das unglücklich-glücklich sein hilft einem über die Zeit in der rein gar nichts passiert. Sehr schön geschrieben, danke :)

9:29 vorm.  
Blogger Nomak said...

Einwände zum Teil stattgegeben.
Leider war es bei mir stets so, dass die Frauen sich auf eine Affäre eingelassen haben, mich dann lange haben schmoren lassen mit der Aussage "ich werde mit meinem Freund Schluss machen", um dann schlußendlich doch bei ihm zu bleiben.
Das tat nie gut.

(Kann es sein, dass ich schon wieder mal die Rolle eingenommen habe, die klassischerweise Frauen zusteht...*grübel*)

10:32 vorm.  
Blogger fishcat said...

@Nomak: etwas in dieser Art habe ich gerade gedacht. ("Hä? Sowas passiert doch eigentlich nur Frauen?") ;)
Das positive an einer Erfahrung dieser Art ist, dass man selbst davor zurückschreckt, andere Menschen in eine solche Situation zu bringen... weil man eben weiß, wie weh es tun kann.

1:32 nachm.  
Anonymous Anonym said...

ich mag, was du geschrieben hast.hat so was aufrichtiges, wie die die beziehung zu dieser frau. tut in deinem hitparadenwahn richtig gut so einen text zu lesen!

6:29 nachm.  
Blogger erdnuckel said...

Das Herz wird nicht alt! :)

Meine kleine persönliche bescheidene Theorie is ja inzwischen....man verliebt sich und die berühmte "Rosarote Brille" bedeutet eigentlich: Wenn man verliebt ist, sieht und erkennt man das Potential das in dem anderen steckt. Aber ob er (oder sie ;) ) dieses Potential bereits erreicht hat oder ob es der richtige Zeitpunkt ist...das is ne andere Frage, und leider auch die, die (wäre ich ein Mann) wohl das Gefühl gibt, einen heftigen Tritt in die Eier bekommen zu haben... ;)

2:20 vorm.  
Anonymous Chris said...

hey, das trifft das Gefühl allerdings auch recht gut, Erdnuckel! Da sucht man nach Worten und dann sowas. Ich frage mich aber wirklich ernsthaft, woher Erdnuckel das weiß!?

10:52 vorm.  
Blogger erdnuckel said...

weil ich meinen hund aufmerksam beobachte.... ^^

3:48 nachm.  
Anonymous The Saint said...

Gut gebrüllt Nilz!

7:21 nachm.  
Anonymous Chris said...

@Erdnuckel:Bitte? Dein Rüde bekommt hin und wieder einen heftigen Tritt in die Eier? Ja, wieso denn das?

5:29 nachm.  
Blogger erdnuckel said...

hehe neeeein! Mein rüde is ein weibchen und kastriert!

8:56 nachm.  
Anonymous grasfee said...

das ist schon verhext.....

8:05 vorm.  

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